der Transformator
Der Newsletter für nachhaltige Transformation Made in Germany 🇩🇪
Über den Standort Deutschland wird viel geklagt. Doch Jammern bringt uns nicht weiter – Handeln schon!
Die globalen Rahmenbedingungen können wir kaum beeinflussen. Was wir beeinflussen können, ist wie gut Unternehmen digital, agil und zukunftsfähig aufgestellt sind.
In diesem Newsletter reflektiere ich wöchentlich meine Erfahrungen, Erkenntnisse und Impulse aus Digital-, Transformations- und Change-Projekten.
✔️Prägnant ✔️Praxisnah ✔️ Pro Bono.
Mein Antrieb: Viele kleine, konsequente Schritte können große Wirkung entfalten.
📣 Lass uns gemeinsam was bewegen!
🗓️ AUSGABE 2
Vom Projektfriedhof zum Produktdenken

Foto mit KI generiert
Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von der Transformator:
Heute wird’s unangenehm 🌩️ – und einige von Euch werden sich vielleicht sogar auf den Schlips 👔getreten fühlen. Das, was über Jahrzehnte als unverzichtbar galt, wofür wir Millionen in ERP-Systeme und Infrastruktur gepumpt und hochdotierte Steering Boards mit Top-Managern unterhalten haben… steht plötzlich auf dem Prüfstand.😳😳🫣
Die Rede ist von niemand geringerem als… „dem Projekt“.
In vielen traditionell organisierten deutschen Entwicklungsabteilungen arbeiten Teams in Silos – Design, Test, Requirements Engineering und Co. ticken oft separat. Diese Organisationsform bestimmt maßgeblich, wie neue Produkte oder Verbesserungen umgesetzt werden: In der Regel läuft alles über ein „Projekt“.
In solchen Umgebungen ist ein Projekt die zentrale Einheit, um Veränderungen überhaupt anzustoßen. Das Management betrachtet regelmäßig die Flut an Projekten und versucht zu steuern 🧭:
Personal umschichten, Budgets verschieben, eskalieren - whatever it takes. Ob neue Bauteile, Werkzeuge oder ein Redesign: Das Prinzip scheint zu sein: „Ohne Moos bzw. Projekt – nichts los.“😔
Hier die Konsequenzen der jahrelangen Projektdenke:
Produktsicht wird von Projektsicht überlagert: Jede Änderung ist projektgebunden, temporäre Strukturen mit Start- und Endpunkt sowie fixierten Deliverables dominieren – und Termintreue ist heilig 😇.
Langfristige Produktentwicklung erschwert: Kontinuierliche Verbesserung wird in Einzelprojekte zerschnitten und verliert an Kohärenz.
Silo-Denken verstärkt: Fachbereiche agieren isoliert, bereichsübergreifende Zusammenarbeit wird zur Ausnahme.
Flexibilität eingeschränkt: Agile, iterative Ansätze und schnelle Nutzer-Feedback-Zyklen lassen sich schwer realisieren, wenn alles strikt projektbasiert ist.
B.O.M.-Fokus: Kosten werden singulär pro Projekt bewertet. Ein holistisches Plattformdenken, das evolutionäre Lösungen begünstigt, bleibt auf der Strecke; stattdessen zählt die isolierte Herstellkosten-Betrachtung einer einzelnen Komponente. Wo bleibt das Big Picture?
Split-Heads werden zu Bottlenecks: Mitarbeiter verteilen ihre Zeit auf mehrere Projekte – effizienz sinkt, Risiko steigt.
Projekt-Interdependenzen: Verzögerungen, Ressourcenkonflikte und Lieferantenprobleme führen dazu, dass ein Projekt das nächste ausbremst (vgl. Artikel Push vs. Pull).
In einer Live-Session wäre spätestens jetzt der Punkt erreicht, wo der typisch Deutsche Ingenieur (von Haus aus Bedenkenträger) eingrätschen würde: “Das ist mir viel zu polarisierend! Unsere Firma hat seit 100 Jahren erfolgreich Produkte mittels Projekten entwickelt. Die Kunden schätzen unsere Qualität – also können Projekte nicht grundsätzlich schlecht sein!“
Recht hat er! Aber wenn heutzutage Deployments innerhalb von Sekunden auf Produktivsystemen passieren (vgl. Jon Jenkins) stellen sich berechtigte Fragen, ob das starre Projektvehikel noch zeitgemäß ist 🤔🤔❓
„Das ist mir viel zu polarisierend! Unsere Firma hat seit 100 Jahren erfolgreich Produkte mittels Projekten entwickelt. Die Kunden schätzen unsere Qualität – also können Projekte nicht grundsätzlich schlecht sein!“
RECAP
Mein Take:
Das traditionelle Vorgehen steht in klarem Widerspruch dazu, wie Software und Software-Defined Products heute entwickelt werden sollten. Wir brauchen:
💪Tempo, 💪kurze Feedback-Zyklen und 💪Teams, die zusammen abliefern statt Status-Updates tauschen!
➡️ CDP (Continuous Delivery Pipeline) vs. „Silo Shifting“:
Eine Produktsicht auf Basis einer CDP bietet genau das:
Kontinuierliche Weiterentwicklung durch ein eingespieltes, konstantes Team (echte “Product-Ownership”)
Ein Projekt hat Start (SOD) und Ende (EOD). Produktorientierung kennt zwar einen Start, aber kein Ende – Produkte werden permanent gepflegt, stabilisiert und weiterentwickelt…♼
Wissensverbleib: Produktteams lösen sich nicht nach EOD auf; Wissen bleibt im Produkt-Team und geht nicht verloren.
Kundenorientierung: Produktdenken zwingt zur Frage nach Kundennutzen: Welchen Wert liefern wir? Wie schnell? Haben wir den richtigen Wert geliefert?
Schnelle Reaktionsfähigkeit: Produktsicht ermöglicht effiziente, kundenzentrierte Priorisierung und Umsetzung.
Fazit: Der Wechsel von Projekt- zu Produktdenken löst sukzessive die selbstverschuldeten Limitierungen starrer Projektstrukturen. Glaubenssätze brechen: „Bei uns dauert ein Projekt sowieso drei Jahre“ — das darf gern Geschichte sein.
Auf einer Metaebene ist DAS der eigentliche Gewinn: Schneller. Flexibler. Wirksamer.
Zur praktischen Umsetzung existieren zahlreiche gute Ideen und Skalierungsframeworks wie SAFe etc. An dieser Stelle geht es mir jedoch weniger um Frameworks, als um die eigentliche Transformation:
» Sie findet nämlich in unseren Köpfen statt! 🤯«
Frage: 👉 Wollen wir Opfer des Systems bleiben und unsere Limitierungen verwalten – oder erkennen wir unsere Stärke, packen an und bauen das Unternehmen der Zukunft? Weg vom Klein-Klein, hin zu einem mutigen Schritt, der langfristige Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland 🇩🇪 sichert?
Ich suche:
den Austausch mit Fach- und Führungskräften,
die den Mut haben, unternehmerisch zu denken
und Transformation wirklich umzusetzen.
💡Wenn Du Teil der Lösung sein willst:
Web: Lies mit,
LinkedIn: Diskutieren mit,
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Bis nächste Woche,
Christoph Lohrer | Dein Transformator

