der Transformator

Der Newsletter für nachhaltige Transformation Made in Germany 🇩🇪

Über den Standort Deutschland wird viel geklagt. Doch Jammern bringt uns nicht weiter – Handeln schon!

Die globalen Rahmenbedingungen können wir kaum beeinflussen. Was wir beeinflussen können, ist wie gut Unternehmen digital, agil und zukunftsfähig aufgestellt sind.

In diesem Newsletter reflektiere ich wöchentlich meine Erfahrungen, Erkenntnisse und Impulse aus Digital-, Transformations- und Change-Projekten.

✔️Prägnant ✔️Praxisnah ✔️ Pro Bono.

Mein Antrieb: Viele kleine, konsequente Schritte können große Wirkung entfalten.

📣 Lass uns gemeinsam was bewegen!

🗓️ AUSGABE 11
Stress auf allen Ebenen – die persönliche Ebene.

Foto mit KI generiert

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von der Transformator:

Heute, fünfter Teil dieser Serie, wird es persönlich…

Im Mittelpunkt steht ein Thema, das in Transformationsprozessen meiner Erfahrung nach viel häufiger vorkommt, als offen darüber gesprochen wird: persönlicher Stress. 😌

Gerade in Phasen tiefgreifender Veränderung konzentrieren sich Organisationen stark auf Strukturen, Prozesse, Technologien und Strategien. Was dabei jedoch oft in den Hintergrund rückt, ist die individuelle Belastung der Menschen, die diese Transformation tragen und umsetzen sollen. 🤝

Genau hier entsteht eine gefährliche Lücke: Während wir Projektpläne, Roadmaps und KPIs sorgfältig definieren, bleibt der persönliche Stress vieler Beteiligter unsichtbar – und damit unadressiert. ⚠️

Denn nur wenn wir die persönliche Dimension ernst nehmen, kann Transformation nicht nur „umgesetzt“, sondern auch nachhaltig verankert werden.

Agilität bedeutet nicht nur neue Methoden und Strukturen, sondern immer auch ein Mehr an Selbstorganisation – und genau hier wird es für viele persönlich herausfordernd. 💡

Wer mehr Verantwortung für Entscheidungen, Prioritäten und Zusammenarbeit übernimmt, steht auch stärker unter innerem Druck.

Im Kontext von Stress möchte ich deshalb einen weiteren, oft vernachlässigten Begriff ins Spiel bringen: Selbstfürsorge. Damit ist die bewusste und aktive Pflege der eigenen physischen, emotionalen und mentalen Gesundheit gemeint – mit dem Ziel, Stress frühzeitig zu erkennen, zu reduzieren und langfristig resilienter gegenüber Belastungen zu werden. 🌱

In größeren Transformationen sollte der erste Ansatz immer sein, unnötige Stressoren auf den vorgelagerten Ebenen zu reduzieren oder ganz zu entfernen.

In den vorherigen Teilen haben wir gesehen, dass sich Stress häufig wie eine Lawine verhält: Er setzt auf Organisationsebene ein, nimmt über die Portfolioebene an Fahrt auf und schlägt schließlich mit voller Wucht auf Team- und Individualebene ein. ❄️

Wie Veränderung auf Organisations-, Portfolio- und Teamebene aussehen kann, habe ich in den Teilen 2–4 dieser Serie skizziert.

Gleichzeitig zeigt die Realität sehr klar: Nicht alles lässt sich auf den vorgelagerten Ebenen abfangen!

Rahmenbedingungen bleiben unvollkommen, Zielkonflikte bestehen, Prioritäten verschieben sich kurzfristig – und genau dort beginnt die persönliche Ebene.

Deshalb ist jede und jeder Einzelne gefragt, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und Selbstfürsorge aktiv zu praktizieren. 🙋‍♂️🙋‍♀️

Und genau diesen Aspekt vermisse ich in vielen Transformationen: Statt die individuelle Fähigkeit zur Selbstregulation und Resilienz zu stärken, reagieren wir – gerade in Deutschland – häufig mit zusätzlicher Regulierung, neuen Regeln, Prozessen und Kontrollen.

Damit versuchen wir, Stress „wegzuorganisieren“, anstatt Menschen zu befähigen, gesund mit Belastung umzugehen. Langfristig wirksam wird Transformation aber nur dann, wenn beides zusammenkommt: strukturelle Entlastung auf Systemebene und gelebte Selbstfürsorge auf persönlicher Ebene. ⚖️

Selbstfürsorge ist die bewusste und aktive Pflege der eigenen physischen, emotionalen und mentalen Gesundheit

Zwei Modelle
Mein Take:

Um Selbstfürsorge in der Praxis greifbar zu machen, lohnt sich ein Blick auf zwei zentrale Konzepte der Stressbewältigung: Selbstregulation und Co-Regulation.

Beide sind entscheidend dafür, wie wir mit Belastung umgehen – gerade in Transformationsphasen.

➡️ Selbstregulation – der bewusste Umgang mit dem eigenen Stress.

Unter Selbstregulation versteht man die Fähigkeit, die eigenen Gedanken, Emotionen und körperlichen Reaktionen bewusst wahrzunehmen und aktiv zu steuern. Es geht darum, nicht im Autopiloten zu verharren, sondern sich selbst „führen“ zu können. 🧭

Konkret bedeutet das zum Beispiel:

  • eigene Stresssignale frühzeitig erkennen (z. B. innere Unruhe, Gereiztheit, Schlafprobleme)

  • innehalten statt automatisch zu reagieren,

  • bewusst gegensteuern – etwa durch Priorisierung, kurze Pausen, Grenzen setzen, klärende Gespräche oder Entspannungstechniken.

Selbstregulation ist damit ein Kernbestandteil von Selbstfürsorge: Ich übernehme Verantwortung für meinen Zustand und warte nicht darauf, dass „das System“ oder „die Organisation“ alles für mich löst.

Ein ganz praktisches Beispiel für Selbstregulation ist ein Selbstversuch, den ich vor 8 Wochen gestartet habe: Weil es vielen – und mir selbst übrigens auch – schwerfällt, eigene Stresssignale frühzeitig wahrzunehmen, habe ich ein Biowearable getestet, das kontinuierlich physiologische Daten misst (z. B. Herzfrequenz, Schlafqualität, Belastungslevel).

Die Idee dahinter:

Nicht nur auf das subjektive Gefühl „Ich bin gestresst“ zu warten, sondern objektive Hinweise zu bekommen, wann mein System in Stress geht – oft deutlich früher, als ich es bewusst bemerke.

Dieser Selbstversuch hat mir sehr klar gezeigt:

  • In welchen Situationen mein Stresslevel sprunghaft ansteigt (z. B. bestimmte Meetings, Kontextwechsel, Multitasking),

  • welche Verhaltensmuster das verstärken (z. B. keine Pausen, sofort auf jede Nachricht reagieren),

  • und welche kleinen Interventionen (kurze Unterbrechung, bewusste Atmung, klare Priorisierung) helfen, den Stress wieder zu senken.

Die Erkenntnisse aus diesem Experiment – und was das konkret für Selbstregulation im Arbeitsalltag bedeutet – teile ich in der nächsten Ausgabe von der Transformator. 🔍

➡️ Co-Regulation – wie wir uns gegenseitig stabilisieren (oder stressen).

Weniger bekannt, aber mindestens genauso wichtig, ist der Begriff Co-Regulation. Er beschreibt, wie Menschen sich in sozialen Interaktionen emotional beeinflussen – im positiven wie im negativen Sinne. 🤝

Co-Regulation zeigt sich zum Beispiel darin:

  • wie Führungskräfte mit Unsicherheit umgehen und welche Stimmung sie damit ins Team tragen,

  • wie Teams in Stresssituationen miteinander sprechen – lösungsorientiert oder vorwurfsvoll,

  • ob Kolleg:innen sich gegenseitig unterstützen, zuhören und entlasten, oder ob sich Druck, Hektik und Alarmismus gegenseitig hochschaukeln.

Im besten Fall wirkt Co-Regulation beruhigend und stabilisierend: Ein klarer, zugewandter, ruhiger Umgang miteinander senkt den Stresspegel aller Beteiligten. Im schlechtesten Fall verstärkt sie Stress – etwa durch Panik, Schuldzuweisungen oder permanenten Alarmmodus.

Ein besonders praxisnahes Beispiel für Co-Regulation erlebe ich in der Ausbildung neuer Team-Coaches. Dort ist das Thema für mich fester Bestandteil: Wir üben ganz konkret, wie Coaches durch ihre eigene Präsenz, Sprache und Haltung den Stresspegel in einem Team beeinflussen können – und was das beim Gegenüber auslöst.

Denn unter hohem Druck können die wenigsten Teams wirklich gute Entscheidungen treffen. Typische Muster sind:

  • Tunnelblick: Es werden nur noch kurzfristige Lösungen gesehen.

  • Reaktives Handeln: Schnell entscheiden statt gut entscheiden.

  • Polarisierung: „Wir gegen die anderen“, Schuldzuweisungen, Lagerbildung.

Genau hier setzt Co-Regulation an. Wenn ein Coach – oder auch eine Führungskraft – in solchen Situationen bewusst:

  • ruhiger spricht,

  • klar strukturiert,

  • aktiv zuhört und

  • Sicherheit vermittelt,

dann reguliert sich das Stressniveau im Team messbar herunter.

Die Atmosphäre wird ruhiger, Menschen denken wieder breiter, hören einander zu und können Optionen abwägen, statt nur zu reagieren. 🌤️

Co-Regulation ist damit kein theoretisches Konzept, sondern ein sehr wirksames, alltägliches Führungs- und Coachinginstrument: Wer selbst innerlich stabil bleibt, schafft den Rahmen, in dem Teams auch unter Druck zu tragfähigen Entscheidungen kommen können.

Warum das für Transformationen so relevant ist In Transformationsprozessen können wir uns nicht darauf verlassen, dass äußere Rahmenbedingungen immer stabil und stressarm sind. Umso wichtiger ist es, dass:

  • Menschen sich selbst regulieren können, um handlungsfähig zu bleiben, und

  • Teams und Führungskräfte Co-Regulation bewusst nutzen, um ein Klima zu schaffen, in dem Belastung angesprochen und gemeinsam getragen werden kann.

Selbstregulation und Co-Regulation sind damit keine „weichen“ Wohlfühlthemen, sondern zentrale Fähigkeiten, um Transformationen gesund, nachhaltig und leistungsfähig zu gestalten. ⚙️❤️

Foto mit KI generiert

Next:

In der nächsten Folge gehe ich noch eine Ebene tiefer und schaue auf die biologische Grundlage von Stress und Selbstregulation: das autonome Nervensystem. Auf Basis der Polyvagal-Theorie von Stephen Porges erkläre ich, warum es so entscheidend ist zu verstehen, wie unser Nervensystem auf Belastung, Unsicherheit und soziale Signale reagiert – und was das ganz konkret für unseren Arbeitsalltag in Transformationen bedeutet.

Außerdem teile ich meine persönlichen Erkenntnisse aus dem Selbstversuch mit dem Oura Ring: Welche Muster lassen sich in den Daten erkennen? Wie spiegeln sich Stress, Erholung und Belastung im Alltag in den Messwerten wider? Und vor allem:

➡️ Wie kann dieses Wissen helfen, bewusster mit der eigenen Energie umzugehen und Selbstregulation gezielt zu stärken? 🌙📈

Ich suche:

  • den Austausch mit Fach- und Führungskräften,

  • die den Mut haben, unternehmerisch zu denken

  • und Transformation wirklich umzusetzen.

💡Wenn Du Teil der Lösung sein willst:

Bis nächste Woche,
Christoph Lohrer | Dein Transformator

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