der Transformator

Der Newsletter für nachhaltige Transformation Made in Germany 🇩🇪

Über den Standort Deutschland wird viel geklagt. Doch Jammern bringt uns nicht weiter – Handeln schon!

Die globalen Rahmenbedingungen können wir kaum beeinflussen. Was wir beeinflussen können, ist wie gut Unternehmen digital, agil und zukunftsfähig aufgestellt sind.

In diesem Newsletter reflektiere ich wöchentlich meine Erfahrungen, Erkenntnisse und Impulse aus Digital-, Transformations- und Change-Projekten.

✔️Prägnant ✔️Praxisnah ✔️ Pro Bono.

Mein Antrieb: Viele kleine, konsequente Schritte können große Wirkung entfalten.

📣 Lass uns gemeinsam was bewegen!

🗓️ AUSGABE 6
Transformation ohne Gegenwind…

Foto mit KI generiert

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von der Transformator:

Sobald Du beginnst, ein bestehendes System zu verändern – selbst durch leichte Modifikationen – verschieben sich Routinen, Rollen und Erwartungen.

Für manche passt das neue Setting nicht mehr zu den bisherigen Gewohnheiten oder Interessen. Das äußert sich häufig in negativem Feedback, das weniger ein objektives Urteil über die Veränderung ist, sondern vor allem Ausdruck individueller Betroffenheit und Verunsicherung.  😖

Das ist per se erst einmal nichts Schlimmes und gehört zur Transformation dazu. Schwierig wird es dann, wenn aus wenigen negativen Rückmeldungen vorschnell auf die Gesamtstimmung geschlossen wird.

Dieses Muster ist typisch: Kritische Meinungen werden stärker wahrgenommen als Zustimmung, informelle Narrative („Alle sind dagegen“ 🗣️, „Die Arbeitslast ist jetzt viel höher als vorher“ 📈) verselbstständigen sich und beeinflussen Entscheidungen.

Für eine verantwortungsvolle Steuerung von Veränderungsprozessen ist es daher entscheidend, zwischen individuellen Wahrnehmungen und belastbaren Trends zu unterscheiden, informelle Narrative bewusst zu hinterfragen und Feedback strukturiert einzuordnen, statt aus Einzelstimmen auf die Gesamtheit zu schließen.

Objektiv betrachtet konzentrieren wir uns häufig auf das Negative und übersehen das Positive. Nicht selten sind 80 % der Rückmeldungen oder Ergebnisse positiv, während wir uns fast ausschließlich auf die 20 % fokussieren, die noch nicht optimal laufen.

Dieses Ungleichgewicht in der Wahrnehmung verstärkt den Eindruck von Widerstand ⚠️ und Problemen, obwohl die tatsächliche Gesamtstimmung deutlich ausgewogener oder sogar überwiegend unterstützend sein kann.

Besonders kritisch wird es, wenn sich Führungskräfte – wie man es häufig in der Politik beobachtet – von der Basis entfremden 🏛️. Aus Zeitdruck oder fehlender Priorisierung erfolgt dann nur eine situative, punktuelle Wahrnehmung: Man trifft an der Kaffeemaschine auf einen tragischen Einzelfall ☕, hört eine besonders negative Geschichte ⚠️ und leitet daraus vorschnell die vermeintliche Gesamtstimmung ab. Einzelne Stimmen werden so zum Stellvertreter „der Belegschaft“, ohne dass sie tatsächlich repräsentativ sind.

Leider ein Muster, was ich in meiner Praxis sehr häufig beobachte 🔎. Wie könnte man anders damit umgehen? 🤔

RECAP
Mein Take:

Back-Channel (eigene Darstellung)

Mein Vorschlag ist, den Gedanken der „Kaffeemaschinen-Anekdote“ umzudrehen: weg von zufälligen Einzelstimmen, hin zu einem strukturierten, möglichst objektiven Back-Channel.

Hier sind drei leicht realisierbare Ansätze, die dir verlässliches, strukturiertes Feedback für deine Transformation eröffnen.

1️⃣Iteration Demo

  • Iteration (Sprint) Demos sollten idealerweise alle 2–3 Wochen stattfinden 📅.

  • Als öffentliche Veranstaltung geben sie allen Beteiligten ein realistisches Bild des tatsächlichen Fortschritts 📊.

  • Sie zeigen, ob Teams liefern können und wollen – oft erkennt man das „zwischen den Zeilen“ 👀.

  • Im Vergleich zum klassischen Review geht es hier darum, den realen Status quo zu zeigen – echtes „Showcase“ 🎯.

  • Die Demo ist gnadenlos ehrlich: Wir zeigen nur, was jetzt schon geht .

Wenn in der Demo Sätze fallen wie: „Eigentlich wollten wir noch dies oder jenes zeigen, konnten aber nicht, weil …“, ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Hinweis, dass etwas im Argen liegt und das Team sein Potenzial nicht voll ausschöpft. Bei solchen Sätzen werde ich hellhörig.

2️⃣Team Retrospektive

  • Die Team-Retro ist ein geschützter Raum 🔒 – sie gehört dem Team.

  • Ziel ist es, mit Unterstützung eines Team-Coaches Probleme im Team zu lösen und gemeinsame Verbesserungsziele zu setzen 🎯.

  • Generell gilt die sog. Las-Vegas-Regel 🎲: Was in der Retro passiert, bleibt in der Retro.

Optional lässt sich jedoch hier ein Back-Channel einrichten , den Teams bei Bedarf nutzen können. Somit hat das Team zusammen mit dem Team Coach die Möglichkeit, qualifiziertes Feedback an das Management zu geben:

  • „Wenn wir X hätten, wären wir um Y Prozent effektiver.“ 📈

  • „Das ist unser größter Pain: Z.“ ⚠️

  • „Uns fehlt A, um B zuverlässig zu erreichen.“ 🧩

Vieles spielt sich auf einer Metaebene ab. In Veränderungsprozessen ist es entscheidend, dass Mitarbeiter das Gefühl haben, gehört zu werden 👂. Selbst wenn vorgeschlagene Sicherheitsnetze (der „Doppelte Boden“) nicht genutzt werden, bleibt dieses Gefühl von Wert 🤝.

3️⃣Big Room Planning inkl. Retrospektive (PI-Retro)

Wenn man sich an Skalierungsframeworks wie SAFe orientiert, findet mindestens viermal pro Jahr ein BigRoomPlanningEvent statt 📅. Ziel ist es, mit rund 100 Teilnehmenden Alignment herzustellen, einen tragfähigen Plan für das nächste Quartal zu erarbeiten und diesen zu bestätigen 🎯.

Ich investiere regelmäßig 30 Minuten im Event, um strukturiertes Feedback zu erhalten. Zuerst gebe ich in einem kurzen Flashback einen Überblick darüber, welche Verbesserungen wir aufgrund des letzten Feedbacks umgesetzt haben – das signalisiert Wertschätzung 🤝. Anschließend frage ich, ob sich das Event für die Teilnehmenden ausgezahlt hat und ob die zwei Tage gut investiert waren.

Kritiker sehen solche Events oft als Zeitverschwendung ⏳. Ein persönliches Lowlight war kürzlich ein Entwickler, der ein Python-Skript schrieb, das in Echtzeit anzeigen sollte, wie viel Geld bei so einem Event angeblich verschwendet wird 💻. Solche Darstellungen können irritieren – deshalb ist mir das direkte Feedback der Teilnehmenden so wichtig 👂. Wenn jedoch die Mehrheit bestätigt, dass das Event sehr effizient war, liefert mir das ein objektives Bild und Gewissheit, dass wir auf dem richtigen Weg sind .

Fazit:

  • Als Transformation Lead brauchst du klare Sicht: Wo steht die Mehrheit wirklich?

  • Kritiker kommen — oft mit „KaffeemaschinenGerüchten“, die später im ManagementMeeting landen.

Deshalb: gut vorbereitet sein und dem Flurfunk früh den Wind aus den Segeln nehmen. Schaffe harte, überprüfbare Fakten und halte einen stabilen Back-Channel für vertrauliches, direktes Feedback. Alles andere ist Populismus.

Ich suche:

  • den Austausch mit Fach- und Führungskräften,

  • die den Mut haben, unternehmerisch zu denken

  • und Transformation wirklich umzusetzen.

💡Wenn Du Teil der Lösung sein willst:

Bis nächste Woche,
Christoph Lohrer | Dein Transformator

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