der Transformator

Der Newsletter für nachhaltige Transformation Made in Germany 🇩🇪

Über den Standort Deutschland wird viel geklagt. Doch Jammern bringt uns nicht weiter – Handeln schon!

Die globalen Rahmenbedingungen können wir kaum beeinflussen. Was wir beeinflussen können, ist wie gut Unternehmen digital, agil und zukunftsfähig aufgestellt sind.

In diesem Newsletter reflektiere ich wöchentlich meine Erfahrungen, Erkenntnisse und Impulse aus Digital-, Transformations- und Change-Projekten.

✔️Prägnant ✔️Praxisnah ✔️ Pro Bono.

Mein Antrieb: Viele kleine, konsequente Schritte können große Wirkung entfalten.

📣 Lass uns gemeinsam was bewegen!

Jetzt neu: der Transformator Podcast auf Spotify und Apple

🗓️ AUSGABE 22
Craftsmanship

Foto mit KI generiert

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von der Transformator:

Craftsmanship oder die Antwort auf die Frage warum ein Großkonzern mehr als 200 Menschen benötigt, um ein Produkt zum Kunden zu bringen, um was ein einzelner nach Feierabend schafft?

Diese Frage begleitet mich seit vielen Jahren in der Begleitung von Entwicklungsteams…

Immer wieder habe ich dasselbe Muster beobachtet:

Ein einzelner Ingenieur entwickelt nach Feierabend ein komplexes Sensors Board. Ein anderer konstruiert ein komplettes Powermodul. Die eigentliche technische Innovation entsteht häufig nicht in großen Organisationen, sondern durch wenige außergewöhnlich leistungsfähige Menschen.

Doch sobald aus einer funktionierenden Kleinserie ein marktfähiges Serienprodukt werden soll, wächst die Zahl der Beteiligten rasant. Plötzlich sind 50, 100 oder 200 Menschen und mehr involviert.

Die entscheidende Frage lautet: Warum eigentlich?

Wo entsteht die eigentliche Wertschöpfung?

Natürlich ist die Antwort nicht so einfach, wie manche Startup-Erzählungen vermuten lassen.

Ein Prototyp ist kein Serienprodukt. Wer in der industriellen Produktentwicklung gearbeitet hat, kennt die Realität: Produkthaftung, Qualitätsmanagement, Zertifizierung, Fertigungsprozesse, Lieferantenmanagement, Service, Gewährleistung und regulatorische Anforderungen verschwinden nicht durch einen KI-Chatbot.

Und dennoch bleibt die Frage berechtigt:

Wenn ein einzelner Entwickler in der Lage ist, 80 bis 90 Prozent der eigentlichen Produktidee und technischen Lösung zu erschaffen – warum benötigen wir dann ein Vielfaches dieser Ressourcen für die verbleibenden 10 bis 20 Prozent?

Genau hier liegt aus meiner Sicht der blinde Fleck vieler Großorganisationen.

Das eigentliche Problem ist nicht die Entwicklung

Viele Unternehmen glauben, ihr Engpass liege in der Produktentwicklung.ch sehe das anders.

Der Engpass liegt häufig in den Systemen, Prozessen, Schnittstellen, Freigaben, Abstimmungen und organisatorischen Reibungsverlusten rund um die Entwicklung.

Anders gesagt: Wir haben über Jahrzehnte Organisationen aufgebaut, die hervorragend darin sind, Komplexität zu verwalten – aber deutlich weniger darin, Komplexität zu reduzieren.

Der Engpass liegt häufig in den Systemen, Prozessen, Schnittstellen, Freigaben, Abstimmungen und organisatorischen Reibungsverlusten rund um die Entwicklung.

Christoph Lohrer

KI
Mein Take:

Warum KI viel größer ist als PowerPoint und E-Mails.

Derzeit diskutieren viele Unternehmen über KI, als ginge es vor allem um bessere Präsentationen, schnellere E-Mails oder ansprechendere Bilder.

Das ist nützlich.Aber strategisch betrachtet nur ein kleiner Teil des Potenzials. Der eigentliche Hebel von KI liegt woanders:

Was passiert, wenn wir jene organisatorischen Tätigkeiten automatisieren können, die heute zwischen Idee und Kunde liegen?

Was passiert, wenn Testprozesse, Dokumentation, Tool-Integration, Compliance-Nachweise, Datenblätter, Workflow-Steuerung und Informationsflüsse weitgehend automatisiert werden?

Dann sprechen wir nicht mehr über 10 Prozent Produktivitätssteigerung. Dann sprechen wir über völlig neue Organisationsmodelle.

Die Frage, die sich Deutschland stellen muss

Während viele deutsche Industriekonzerne weiterhin über Kostensenkungen, Personalabbau und Verlagerung diskutieren, verfolgen Unternehmen wie n8n oder Anthropic eine andere Leitfrage:

Wie viel Wertschöpfung kann ein Unternehmen pro Mitarbeiter erzeugen? Aus meiner Sicht ist das eine der entscheidenden Kennzahlen der nächsten Dekade.

Nicht: Wie können wir billiger produzieren? Sondern: Wie können wir mit weniger Menschen mehr Wirkung erzielen? Genau diese Denkweise fehlt vielen etablierten Unternehmen bis heute.

Jan Oberhauser verfolgt mit n8n im Kern die Vision, Menschen durch Automatisierung und KI deutlich leistungsfähiger zu machen – insbesondere technische Anwender, Entwickler und zunehmend auch „Citizen Developer“.

Dies überträgt er auch auf das Organisationsdesign von n8n: Ziel ist es, mit maximal 500 Mitarbeitenden einen Umsatz von 3 Milliarden Euro zu generieren. Dass diese Annahme nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt das Beispiel Anthropic (Claude).

Ein Gedankenexperiment

Nehmen wir an, wir würden Organisationen konsequent um Wertschöpfung herum aufbauen.

Dann bräuchten wir hochgradig autonome, cross-funktionale Teams nach dem Prinzip:

Define – Build – Test – Deploy

Kleine Teams mit maximaler End-to-End-Verantwortung. Teams, die 90 Prozent einer Produktentwicklung eigenständig tragen können.

Die verbleibenden 10 Prozent würden durch sogenannte Enabling Teams unterstützt – ein Konzept aus der Organisationslehre nach dem Ansatz von Team Topologies.

Deren Aufgabe wäre nicht die Kontrolle der Entwicklung, sondern die Beseitigung von Hindernissen:

🔹 Prozessautomatisierung

🔹 Toolchain-Optimierung

🔹 Testautomatisierung

🔹 Compliance-Unterstützung

🔹 Datenmanagement

🔹 API-Integration

Kurz gesagt: Alles, was Wertschöpfung ermöglicht, ohne selbst unmittelbar Wertschöpfung zu sein.

Die eigentliche Chance

Viele Unternehmen versuchen heute, ineffiziente Prozesse mit KI zu beschleunigen. Das halte ich für den falschen Ansatz. Plakativ: Wenn man auf einen Haufen Mist Sahne sprüht, bleibt es trotzdem ein Haufen Mist.

Zuerst müssen nicht-wertschöpfende Tätigkeiten sichtbar gemacht und organisatorisch getrennt werden. Erst dann lassen sie sich systematisch automatisieren.

Die Technologien dafür existieren längst. Werkzeuge wie n8n, Synera und moderne KI-Agentensysteme zeigen bereits heute, wohin die Reise gehen kann.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob diese Entwicklung kommt.

Die entscheidende Frage ist, welches Unternehmen den Mut hat, seine Organisation radikal darauf auszurichten.

Fazit:

  • Wenn wir weiterhin dieselben Organisationsmodelle mit immer weniger Menschen betreiben wollen, werden die Probleme größer.

  • Wenn wir Organisationen jedoch neu denken, könnten wir mit deutlich weniger Ressourcen mehr Innovation hervorbringen als je zuvor.

  • Vielleicht ist genau das die eigentliche industrielle Revolution der KI-Ära. 🤖

Ich suche:

  • den Austausch mit Fach- und Führungskräften,

  • die den Mut haben, unternehmerisch zu denken

  • und Transformation wirklich umzusetzen.

💡Wenn Du Teil der Lösung sein willst:

Bis nächste Woche,
Christoph Lohrer | Dein Transformator

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