der Transformator

Der Newsletter für nachhaltige Transformation Made in Germany 🇩🇪

Über den Standort Deutschland wird viel geklagt. Doch Jammern bringt uns nicht weiter – Handeln schon!

Die globalen Rahmenbedingungen können wir kaum beeinflussen. Was wir beeinflussen können, ist wie gut Unternehmen digital, agil und zukunftsfähig aufgestellt sind.

In diesem Newsletter reflektiere ich wöchentlich meine Erfahrungen, Erkenntnisse und Impulse aus Digital-, Transformations- und Change-Projekten.

✔️Prägnant ✔️Praxisnah ✔️ Pro Bono.

Mein Antrieb: Viele kleine, konsequente Schritte können große Wirkung entfalten.

📣 Lass uns gemeinsam was bewegen!

🗓️ AUSGABE 15
Was ist eigentlich „nachhaltige“ Transformation?

Quelle: Pexels

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von der Transformator:

Wir schreiben das Jahr 1986. Deutschland steht im WM‑Finale gegen Argentinien, und ich – damals ein kleiner Knirps – darf ausnahmsweise lange aufbleiben, um mit meiner Familie dieses „Jahrhundertspiel“ zu schauen. Die Spannung ist greifbar, das Wohnzimmer wird zum Stadion, jede gelungene Aktion der Deutschen wird gefeiert, als wären wir selbst auf dem Platz.

Doch der Abend endet anders als erhofft: Deutschland verliert 2:3, und ich gehe mit meinen Geschwistern weinend ins Bett. In meinem kindlichen Schwarz-Weiß-Bild der Welt gibt es einen klaren „Bösewicht“: einen kleinen, gedrungenen Argentinier namens Diego Armando Maradona.

Viele Jahre später beschäftige ich mich kaum noch mit Fußball – dafür umso intensiver mit der Frage, wie sich Organisationen, Branchen und ganze Regionen transformieren 🔄. Und plötzlich taucht dieser Name wieder auf: Maradona.

Nicht mehr als Gegenspieler meiner Kindheit, sondern als Symbolfigur für eine der beeindruckendsten Transformationen im europäischen Fußball – und weit darüber hinaus.

Denn die eigentliche Geschichte beginnt nicht 1986 im WM‑Finale, sondern bereits 1984:

Ein Weltstar wechselt völlig unerwartet zu einem Abstiegskandidaten nach Neapel. Sportlich ein Risiko, wirtschaftlich ein Wagnis, strategisch für viele unverständlich.

Was dann passiert, ist aus heutiger Transformationsperspektive hochspannend: Maradona führt den SSC Neapel zum ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte 1986/87, später folgen weitere Erfolge wie der UEFA‑Pokal‑Sieg 1988/89. 🏆

Doch das wirklich Bemerkenswerte ist: Die Wirkung endet nicht auf dem Rasen. Der Wechsel macht Neapel weltweit sichtbar, prägt das Image als „Stadt Maradonas“ und löst eine Dynamik aus, die bis heute anhält. 🌍

In den Quartieri Spagnoli rund um den Largo Maradona prägen Wandbilder, Altäre und Devotionalien ganze Straßenzüge, eine eigene Mikroökonomie aus Bars, Kiosken, Souvenirshops und „Maradona‑Touren“ ist entstanden.

Der Spieler ist längst zur Marke geworden – ein dauerhafter wirtschaftlicher Faktor für Tourismus, Gastronomie und Kleinhandel, den die Stadt inzwischen ganz bewusst managt. 🏙️

Was hat das jetzt mit nachhaltiger Transformation zu tun? Sehr viel. Maradona zeigt, wie ein einzelner Impuls – eine Person, eine mutige Entscheidung, ein scheinbar irrationaler Schritt – zum Game Changer für ein Team, einen Club und eine ganze Region werden kann. Und vor allem: wie aus einem kurzfristig riskanten Move eine langfristig wirksame Transformation entsteht, deren Effekte noch Jahrzehnte später sichtbar sind.

Genau um diese Art von tiefgreifender, tragfähiger Veränderung geht es, wenn wir heute in Deutschland über nachhaltige Transformation sprechen.

Wenn ich heute über nachhaltige Transformation spreche, denke ich nicht nur an positive Beispiele wie Maradona und Neapel. Ich denke auch an Erlebnisse, die das genaue Gegenteil zeigen….

Nachhaltige Transformation und Multiplikation gehören untrennbar zusammen.

Christoph Lohrer

Kontrastbeispiel
Mein Take:

Spulen wir gut 35 Jahre vor: Ich arbeite inzwischen für den größten Automobilzulieferer der Welt. 🚗

Eines Tages kommt von ziemlich weit oben die Ansage: „Wir müssen agiler werden.“ Kurz darauf die Ergänzung: „Alle großen OEMs machen jetzt SAFe, da müssen wir auch mitziehen.“ Es klingt nach Aufbruch, nach Zukunftsfähigkeit – auf dem Papier.

Was dann passiert, ist ein Musterbeispiel für das, was ich „Transformation zum Abhaken“ nenne: Wir suchen im Markt nach Anbietern, die uns möglichst schnell SAFe „implementieren“ können, schreiben aus, holen eine Armada an Beratern ins Haus. Geld spielt in dieser Phase gefühlt keine Rolle. Plötzlich sind überall „Scrum Master“, jedes Silo nennt sich „agiles Team“, alle Mitarbeitenden bekommen eine Schulung mit Zertifikat, gültig für ein Jahr. 🎓

Nach zwölf Monaten ist ein siebenstelliges Transformationsbudget verbrannt – und mit dem Budget verschwinden die Berater, die Trainings, das Coaching.

Zurück bleibt eine Organisation, die äußerlich neue Begriffe spricht, innerlich aber im alten Betriebssystem gefangen ist.

Die nüchterne Bilanz: Zwei Lager. Die einen versuchen tapfer, die Idee eines Agile Release Train irgendwie am Leben zu halten. Die anderen organisieren die wirklich wichtigen Themen in klassischen Task Forces – so, wie man es immer gemacht hat, wenn es ernst wird.

Das Management? Nie wirklich im SAFe-Kontext angekommen, sondern „lost in firefighting“, gefangen im Tagesgeschäft, getrieben von Eskalationen. 🔥

Für mich ist das die Antithese zu nachhaltiger Transformation: viel Symbolik, wenig Substanz; viel Methode, wenig Haltung; viel Tempo am Anfang, kaum Wirkung am Ende.

Quelle: Pexels

Warum erzähle ich diese beiden Geschichten – Maradona in Neapel und SAFe im Konzern?

Weil sie den Kern nachhaltiger Transformation auf den Punkt bringen: Es geht nicht um das schnelle Einführen eines Frameworks, sondern um das bewusste Setzen eines starken, langfristig wirksamen Impulses, der Kultur, Strukturen und Verhalten dauerhaft verändert. 🧭

Und genau hier beginnt der Unterschied zwischen „wir machen jetzt auch mal Transformation“ und „wir gestalten unsere Zukunft wirklich neu“.

Nachhaltige Transformation und Multiplikation gehören untrennbar zusammen. Eine Veränderung ist erst dann wirklich nachhaltig, wenn sie sich vervielfältigt – wenn aus einem einzelnen Impuls ein neues „Wir“ entsteht, das in Strukturen, Routinen und Entscheidungen verankert ist.

Genau deshalb ist das Beispiel Maradona und Neapel so spannend: Es zeigt, wie eine einzige Person zum Auslöser einer langfristigen, systemischen Veränderung werden kann.

Maradona war zunächst „nur“ der Funke: ein Weltstar, der völlig unerwartet zu einem Abstiegskandidaten wechselt. Sportlich brachte er Exzellenz, aber sein eigentlicher Hebel lag tiefer: Er veränderte das Selbstbild einer ganzen Stadt. Aus dem „ewigen Außenseiter“ Neapel wurde ein Verein, der den reichen Norden herausfordert – und gewinnt.

Dieser Perspektivwechsel ist der erste Schritt jeder Transformation: Die Geschichte, die wir uns über uns selbst erzählen, ändert sich. 🧠

Doch der entscheidende Punkt ist: Maradona allein hätte nichts Dauerhaftes bewirkt, wenn andere nicht mitgezogen hätten. Das Team, der Verein, die Fans, die lokale Wirtschaft, die Stadtverwaltung – sie alle haben den Impuls aufgenommen und auf ihre Weise multipliziert.

Die Fans machten ihn zur Ikone, die Wirtschaft baute Geschäftsmodelle rund um den Kult auf, die Stadt verankerte ihn in Orten, Symbolen und Entscheidungen. So entstanden Wandbilder, Altäre, der Largo Maradona, eine eigene Mikroökonomie aus Bars, Kiosken, Souvenirshops und Touren – und ein Stadion, das seinen Namen trägt. Maradona wurde von der Person zur Marke, vom Spieler zum dauerhaften Standortfaktor. 📍

Genau hier liegt die Parallele zur nachhaltigen Transformation in Unternehmen:

Es braucht einen klaren, mutigen Anfangsimpuls (eine Entscheidung, ein Vorbild, ein Leuchtturmprojekt). 💡

Dieser Impuls muss von vielen Akteuren aufgenommen und weitergetragen werden – Führungskräfte, Mitarbeitende, Funktionen, Standorte.

Die Veränderung muss in Strukturen, Kennzahlen, Anreizsystemen, Produkten, Prozessen und Symbolen verankert werden, sodass sie auch dann weiterwirkt, wenn die ursprünglichen Treiber nicht mehr da sind. 🏗️

Nachhaltige Transformation ist also weniger die Frage: „Wer ist unser Maradona?“, sondern: „Wie schaffen wir es, dass aus einem starken Impuls eine Bewegung entsteht, die sich multipliziert und im System festhakt?“

Maradona war der Auslöser – die eigentliche Transformation entstand, weil eine ganze Stadt seine Geschichte übernommen, weiterentwickelt und in ihr eigenes Handeln übersetzt hat.

Genau diese Multiplikation brauchen wir, wenn wir in Deutschland nicht nur Projekte starten, sondern unsere Wirtschaft und Organisationen wirklich zukunftsfähig machen wollen.

Ich suche:

  • den Austausch mit Fach- und Führungskräften,

  • die den Mut haben, unternehmerisch zu denken

  • und Transformation wirklich umzusetzen.

💡Wenn Du Teil der Lösung sein willst:

Bis nächste Woche,
Christoph Lohrer | Dein Transformator

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