der Transformator

Der Newsletter für nachhaltige Transformation Made in Germany 🇩🇪

Über den Standort Deutschland wird viel geklagt. Doch Jammern bringt uns nicht weiter – Handeln schon!

Die globalen Rahmenbedingungen können wir kaum beeinflussen. Was wir beeinflussen können, ist wie gut Unternehmen digital, agil und zukunftsfähig aufgestellt sind.

In diesem Newsletter reflektiere ich wöchentlich meine Erfahrungen, Erkenntnisse und Impulse aus Digital-, Transformations- und Change-Projekten.

✔️Prägnant ✔️Praxisnah ✔️ Pro Bono.

Mein Antrieb: Viele kleine, konsequente Schritte können große Wirkung entfalten.

📣 Lass uns gemeinsam was bewegen!

🗓️ AUSGABE 14
Die Frage aller Fragen in einer Transformation.

Foto mit KI generiert

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von der Transformator:

Neulich saß ich mit vielen Führungskräften zusammen, um den aktuellen Stand und die Fortführung einer agilen Transformation zu besprechen und zu reflektieren.

Obwohl die Transformation noch recht frisch gestartet war, hatte ich den Eindruck, dass sich viele schon gleich am Anfang in blindem Aktionismus verfangen hatten. Es war sofort wieder die Rede von agilen Rollenbeschreibungen und Low-Hanging-Fruits, davon, dass man doch die aktuellen Projektpläne einfach mal in Kanban-Boards überführen solle um schnell “ins Doing zu kommen” etc. 🚀

An diesem Punkt habe ich eine einfache, aber entscheidende Frage gestellt: Wozu?

Was wollen wir eigentlich erreichen? Geht es uns vor allem darum, was wir tun – oder darum, wohin wir das Unternehmen entwickeln und welche Wirkung wir erzielen wollen?

Die Stille im Raum war bezeichnend. Denn genau hier liegt das Kernproblem vieler Transformationsinitiativen:

  • Wir verwechseln Aktivität mit Fortschritt,

  • Methoden mit Zielen und das

  • „Wie“ mit dem „Wozu“.

Diese scheinbar einfache Frage „Wozu?“ hat eine enorme Wirkungskraft – nicht nur in Transformationsprozessen, sondern generell in Veränderungssituationen. 💡

Der Unterschied zwischen „Warum“ und „Wozu“

Der deutsche Psychotherapeut Reinhold Ruthe macht einen wichtigen Unterschied deutlich: Viele Menschen stellen sich in schwierigen Situationen reflexartig die Frage: „Warum passiert mir das?“

Diese Warum-Frage richtet den Blick nach hinten – auf Ursachen, Schuldige, Versäumnisse. Sie führt häufig zu Grübeln und Rechtfertigung, aber selten zu Bewegung nach vorne.

Ganz anders die Wozu-Frage: „Wozu passiert mir das?“
Sie öffnet den Blick nach vorne – auf Sinn, Ziel und Entwicklungsmöglichkeiten. Statt nur nach der Ursache zu suchen, fragen wir nach dem Zweck: Was kann daraus entstehen? Was soll sich dadurch entwickeln? Welche Chance steckt in dieser Situation?

Genau diese Verschiebung ist auch in Transformationsprozessen entscheidend!

Im Deutschen unterscheiden wir klar zwischen „warum“ (Ursache) und „wozu“ (Zweck). Im Englischen verschwimmt dieser Unterschied – und doch meint Simon Sinek mit „Start with Why“ im Kern genau das: den Purpose, also das Wozu. 🎯

Warum richtet den Blick nach hinten, wozu schaut nach vorne…”

nach Reinhold Ruthe

Zwei Denkmuster
Mein Take:

vom „Warum“ zum „Wozu“ in der Transformation

Übertragen auf Transformation heißt das: Wenn wir nur fragen „Warum machen wir jetzt agile Methoden?“, bleiben wir schnell bei Begründungen stehen.

Wenn wir hingegen fragen „Wozu verändern wir unsere Art zu arbeiten?“, rücken Wirkung und Zielbild in den Mittelpunkt – nicht die Maßnahme an sich.

Die bewusste Entscheidung für die Wozu-Frage ist damit mehr als ein sprachlicher Unterschied. Sie ist ein Denkwerkzeug, das Orientierung schafft, Fokus gibt und Energie bündelt – weg vom bloßen Aktionismus, hin zu einer sinngeleiteten Transformation.

Simon Sinek betont, dass Menschen den Grund verstehen müssen, um wirklich mitgehen zu können. Gerade in Unternehmen arbeiten wir überwiegend mit hochqualifizierten Fach- und Führungskräften – mit Wissensträgern, die komplexe Zusammenhänge erfassen und einordnen können.

Genau deshalb reicht es nicht, beim „Warum“ im Sinne von Begründungen stehenzubleiben:

  • Warum führen wir jetzt agile Methoden ein?

  • Warum stellen wir unsere Organisation um?

  • Warum starten wir dieses Transformationsprogramm?

Diese Fragen erklären vielleicht den Anlass, aber sie schaffen noch keine echte Identifikation. Wer Menschen wirklich mitnehmen will, muss mit ihnen die Wozu-Frage stellen:

  • Wozu wollen wir agiler werden?

  • Wozu verändern wir unsere Art der Zusammenarbeit?

  • Wozu investieren wir Zeit, Energie und Ressourcen in diese Transformation?

Das bedeutet oft, bewusst innezuhalten – gerade dann, wenn der Druck hoch ist und „schnelle Ergebnisse“ gefordert werden.

Ein Schritt zurück, um das Wozu zu klären, ist in der Transformation kein Rückschritt, sondern die Voraussetzung für zwei Schritte nach vorne. 🧭

Mein Appell: Halten wir inne, bevor wir handeln!

Nehmen wir uns die Zeit, das Wozu gemeinsam zu klären – mit den Menschen, die die Veränderung gestalten und tragen sollen. Erst dann entfaltet Transformation ihre eigentliche Kraft.

Foto mit KI generiert

Zurück zu meinem Meeting: Wie ging es nach der peinlichen Stille weiter?


Wer mich kennt, weiß: In solchen Momenten bohre ich gerne nach und halte – wenn es sein muss – den Finger in die Wunde. Nicht, um jemanden bloßzustellen, sondern um die Fragen auf den Tisch zu bringen, die sonst oft ungestellt bleiben. 🔍

Der Leiter der Transformation reagierte prompt: „Das haben wir doch alles schon ausgiebig geklärt….“

Daraufhin habe ich vorgeschlagen: „Gut, dann lass uns doch einen kurzen Test machen. Jede Person hier im Raum schreibt die Antwort auf die Wozu-Frage auf eine Karte – aber verdeckt. Ich lehne mich weit aus dem Fenster und behaupte: Wir bekommen mindestens 15 unterschiedliche Antworten.“

Genau an diesem Punkt wird sichtbar, wie groß die Diskrepanz zwischen vermeintlicher Klarheit und tatsächlichem gemeinsamen Verständnis oft ist.

Selbst wenn der Leiter der Transformation das Wozu für sich klar benannt hat, heißt das noch lange nicht, dass es für alle Führungskräfte ebenso klar ist. Klarheit im Kopf einer einzelnen Person erzeugt noch keine geteilte Klarheit in einer Organisation.

Die Wozu-Frage kann man gar nicht oft genug beantworten und wiederholen. Studien und Praxiserfahrungen zeigen: Eine Botschaft muss in der Regel mehrfach – häufig ist von acht oder mehr Wiederholungen die Rede – kommuniziert werden, bis sie wirklich ankommt, verstanden und verinnerlicht wird.

Was das konkret bedeutet? Die Wozu-Botschaft gehört nicht nur:

  • in eine Kick-off-Präsentation,

  • sondern auf jede relevante Folie,

  • in jede wichtige Rede,

  • in jede Führungskräfteklausur

  • und in jede Kommunikation zur Transformation. 📣

Erst wenn Menschen das Wozu nicht nur gehört, sondern für sich übersetzt und verinnerlicht haben, entsteht echte Ausrichtung – und damit die Basis für wirksame Transformation statt blindem Aktionismus.

Auch wenn er sich in diesem Meeting (leider) nicht mehr die Zeit genommen hat, das Wozu wirklich gemeinsam zu erörtern und stattdessen etwas von VUCA und allgemeiner Unsicherheit erwähnte, haben wir zumindest eines erreicht: Wir konnten uns darauf verständigen, dass er das Wozu auf seinen Folien künftig explizit macht.

Das ist nicht perfekt – aber besser als nichts. Und doch bleibt mein Appell:

Ein Schritt zurück ist zwei Schritte nach vorn. 🔁

Gerade in Transformationsprozessen braucht es den Mut zum Innehalten:

  • einen Moment, um die Wozu-Frage wirklich zu klären,

  • sie gemeinsam zu schärfen

  • und sie so oft zu wiederholen, bis sie allen klar ist. 💬

Ich suche:

  • den Austausch mit Fach- und Führungskräften,

  • die den Mut haben, unternehmerisch zu denken

  • und Transformation wirklich umzusetzen.

💡Wenn Du Teil der Lösung sein willst:

Bis nächste Woche,
Christoph Lohrer | Dein Transformator

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