der Transformator
Der Newsletter für nachhaltige Transformation Made in Germany 🇩🇪
Über den Standort Deutschland wird viel geklagt. Doch Jammern bringt uns nicht weiter – Handeln schon!
Die globalen Rahmenbedingungen können wir kaum beeinflussen. Was wir beeinflussen können, ist wie gut Unternehmen digital, agil und zukunftsfähig aufgestellt sind.
In diesem Newsletter reflektiere ich wöchentlich meine Erfahrungen, Erkenntnisse und Impulse aus Digital-, Transformations- und Change-Projekten.
✔️Prägnant ✔️Praxisnah ✔️ Pro Bono.
Mein Antrieb: Viele kleine, konsequente Schritte können große Wirkung entfalten.
📣 Lass uns gemeinsam was bewegen!
🗓️ AUSGABE 35
Validation Sprint

Foto mit KI generiert
Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von der Transformator:
Letzte Woche habe ich zwei wichtige Erkenntnisse geteilt, auf denen ich heute aufbauen möchte. Für mich bilden vor allem zwei Prinzipien den Kern agilen Arbeitens:
1.inkrementelle Wertlieferung und
2. frühes Evaluieren mit Prototypen.
Inkrementelle Wertlieferung bedeutet, nicht monatelang im stillen Kämmerlein an einer Lösung zu arbeiten, um erst am Ende festzustellen, dass sie am Bedarf vorbeigeht. Stattdessen schaffen wir Schritt für Schritt greifbaren Wert und ermöglichen früh echtes Feedback.
Frühes Evaluieren mit Prototypen bedeutet, nicht sofort das gesamte Produkt zu entwickeln, sondern zunächst genau so viel, wie nötig ist, um eine wichtige Frage zu beantworten. So können wir Annahmen testen, Risiken reduzieren und fundierter entscheiden.
Viele denken bei Unsicherheit zunächst vor allem an Produktentwicklung — etwa dann, wenn es um neue Märkte, neue Technologien oder unbekannte Kundenanforderungen geht. Doch agiles Denken reicht deutlich weiter. Gerade heute ist es daher zunehmend auch im Geschäftskontext gefragt!
Ich habe in diesem Zusammenhang vier „Gaps“ identifiziert, in denen ein agiles Mindset besonders hilfreich ist. Immer dann, wenn eines dieser vier Gaps vorliegt, haben wir es in der Regel mit hoher Unsicherheit zu tun — und genau diese Unsicherheit gilt es gezielt aufzulösen. Das ist ein wesentlicher Hebel, um das Business wirksam weiterzuentwickeln.
„Erst validieren. Dann skalieren “
4 Gaps
Skalierungs-Gap
Ein Skalierungs-Gap liegt vor, wenn wir wissen, was möglich wäre, es aber noch nicht in der erforderlichen Geschwindigkeit, Qualität oder Wirtschaftlichkeit in die Umsetzung bringen. Beispiel: Ein Angebot braucht vier Wochen, obwohl der Markt eine Reaktion am selben Tag erwartet.
Ein KI-basierter Prototyp kann in kurzer Zeit zeigen, welche Prozessschritte automatisierbar sind und welcher Nutzen realistisch erreichbar ist. Dabei geht es nicht darum, sofort die finale, stabile und wartbare Lösung zu bauen. Es geht darum, schnell zu lernen:
Ist der Prozesssprung machbar?
Entsteht echter Business Value?
Und lohnt sich die Investition in eine skalierbare Lösung?
Business-Model-Gap
Das bestehende Geschäftsmodell trägt noch — treibt aber nicht mehr. Viele Unternehmen arbeiten seit Jahren erfolgreich im klassischen Order-to-Cash-Modell: Auftrag gewinnen, liefern, abrechnen, nächster Auftrag. Doch KI, neue Wettbewerber, digitale Plattformen und Margendruck verändern die Spielregeln.
Viele wissen, dass sie sich eigentlich verändern müssen, finden aber keinen klaren Weg aus der One-Time-Selling-Falle. Die Fragen sind anspruchsvoll:
Welche Services, digitalen Angebote oder datenbasierten Leistungen schaffen künftig wiederkehrenden Nutzen?
Wofür sind Kunden bereit, regelmäßig zu zahlen?
Und wie verändern sich dadurch Vertrieb, Pricing, Delivery und Kundenbeziehung?
Agiles Denken hilft, diese Unsicherheit schrittweise zu reduzieren — nicht durch große theoretische Zielbilder, sondern durch konkrete Experimente am Markt.
Mögliche Ansatzpunkte sind Pilotkunden, neue Service-Bausteine, alternative Preismodelle oder digitale Zusatzangebote, die zunächst als KI-basierte Prototypen umgesetzt und getestet werden.
So lässt sich früh erkennen, welche Annahmen tatsächlich belastbar sind: Welcher Nutzen kommt beim Kunden an? Wofür besteht Zahlungsbereitschaft? Welche Leistungen lassen sich operativ erbringen? Und welche Geschäftsmodell-Optionen haben das Potenzial, langfristig zu tragen?
Der Prototyp ist dabei nicht die finale Lösung, sondern ein Instrument zur Validierung. Er hilft, aus einer strategischen Vermutung eine faktenbasierte Entscheidungsgrundlage zu machen.
Validierungs-Gap
Roadmaps und Prioritäten entstehen oft auf zu wenig Evidenz. Zwischen internen Sichtweisen, generischer Marktanalyse und echtem Kundenbedarf entsteht dadurch eine gefährliche Lücke. Agiles Arbeiten hilft, diese Lücke zu schließen, indem zentrale Annahmen früh überprüft und Entscheidungen auf belastbarere Erkenntnisse gestützt werden.
Was für ganze Geschäftsmodelle funktioniert, lässt sich auch auf einzelne Produkte oder Features anwenden: Statt direkt in eine vollständige Entwicklung zu investieren, wird zunächst nur ein Bruchteil der Kosten eingesetzt, um die wichtigste Annahme zu validieren.
Wenn sich dabei zeigt, dass die Idee nicht trägt, ist der Verlust begrenzt. Deutlich teurer wäre es, erst nach vollständiger Produktentwicklung festzustellen, dass der Bedarf fehlt. Dann wären nicht nur die Entwicklungskosten verloren, sondern auch wertvolle Zeit, die für sinnvollere Vorhaben hätte genutzt werden können.
Ein Prototyp schafft deshalb früh Klarheit: Er zeigt, ob ein Kundenproblem relevant ist, ob die Lösung verstanden wird und ob sich eine weitere Investition rechtfertigen lässt.
Innovations-Gap
Die Idee ist stark, aber die Evidenz noch schwach. Kundenproblem, Zielgruppe, Marktpotenzial, Machbarkeit und strategische Passung sind noch nicht ausreichend geklärt.
Agiles Vorgehen hilft, diese Unsicherheit mit Prototypen und Experimenten schrittweise zu reduzieren.
Dabei geht es nicht nur darum, eine bereits definierte Lösung zu testen. Gerade wenn noch unklar ist, wer die potenziellen Kunden sind, kann ein Prototyp helfen, den Problemraum zu erkunden:
Wer hat welches Problem? Wie relevant ist es?
Wie wird es heute gelöst?
Und wer wäre bereit, Zeit, Daten oder Geld in eine bessere Lösung zu investieren?
Ein (KI-basierter) Prototyp macht die Idee früh greifbar und ermöglicht konkretes Feedback, ohne bereits die vollständige Produktentwicklung zu finanzieren.
So wird sichtbar, welche Zielgruppen tatsächlich reagieren und ob sich aus der Idee ein relevanter und tragfähiger Anwendungsfall entwickeln lässt.

Eigene Darstellung
Fazit:
Die vier Gaps zeigen: Unsicherheit entsteht nicht nur bei der Entwicklung neuer Produkte. Sie entsteht überall dort, wo wichtige Annahmen noch nicht ausreichend überprüft sind — bei der Skalierbarkeit von Prozessen, bei der Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen, bei Roadmaps und Prioritäten oder bei der Bewertung neuer Ideen.
In all diesen Situationen besteht die Gefahr, zu früh zu viel zu investieren: in vollständige Lösungen, umfangreiche Roadmaps oder neue Geschäftsmodelle, deren tatsächlicher Wert noch nicht ausreichend belegt ist.
Gleichzeitig besteht die Chance, mit überschaubarem Aufwand schneller zu lernen und bessere Entscheidungen zu treffen. Ich propagiere hier sogenannte Validation Sprints (ca. 6 – 8 Wochen).
Der entscheidende Perspektivwechsel lautet deshalb: Wir bauen nicht, um möglichst schnell fertig zu sein. Wir bauen, um möglichst schnell herauszufinden, ob sich eine weitere Investition lohnt.
Wenn der Ansatz für Dich plausibel klingt und Du tiefer einsteigen möchtest, empfehle ich Dir, Dir Build-2-Validate anzuschauen:
Build-2-Validate | Von der Annahme zur Investitionssicherheit.
Ich suche:
den Austausch mit Fach- und Führungskräften,
die den Mut haben, unternehmerisch zu denken
und Transformation wirklich umzusetzen.
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Bis nächste Woche,
Christoph Lohrer | Dein Transformator


