der Transformator

Der Newsletter für nachhaltige Transformation Made in Germany 🇩🇪

Über den Standort Deutschland wird viel geklagt. Doch Jammern bringt uns nicht weiter – Handeln schon!

Die globalen Rahmenbedingungen können wir kaum beeinflussen. Was wir beeinflussen können, ist wie gut Unternehmen digital, agil und zukunftsfähig aufgestellt sind.

In diesem Newsletter reflektiere ich wöchentlich meine Erfahrungen, Erkenntnisse und Impulse aus Digital-, Transformations- und Change-Projekten.

✔️Prägnant ✔️Praxisnah ✔️ Pro Bono.

Mein Antrieb: Viele kleine, konsequente Schritte können große Wirkung entfalten.

📣 Lass uns gemeinsam was bewegen!

Jetzt neu: der Transformator Podcast auf Spotify und Apple

🗓️ AUSGABE 36
Discuss, Decide, Do (1)

Quelle: Bosch

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von der Transformator:

Der neue Bosch-Chef Christian Fischer will schneller entscheiden, mehr Verantwortung delegieren und Fehler zulassen. Wer agile Prinzipien kennt, erkennt die Parallelen sofort.

Doch ein neues Führungscredo ist noch keine Transformation – erst recht nicht, wenn Entscheidungsmacht und Verantwortung am Ende doch in den alten Strukturen bleiben oder im mittleren Management stecken bleibt.

Für mich als ehemaligen Bosch-Insider und Verfechter nachhaltiger Transformation ist das Grund genug, genauer hinzuschauen. Schließlich verspricht Fischer, den Weltkonzern mit diesem Ansatz in die Zukunft zu führen!

Christian Fischer will Bosch jetzt schneller und entscheidungsfreudiger machen. Seit dem 1. Juli 2026 steht der 58-Jährige an der Spitze des Technologiekonzerns. In seinem Interview im Handelsblatt vom 8. Oktober beschreibt er, warum Bosch ein verbessertes „Betriebssystem“ braucht.

Fischer setzt dabei auf vier zentrale Prinzipien:

  • Schneller entscheiden und handeln: Diskussionen sollen zügig zu Entscheidungen und konkreten Maßnahmen führen.

  • Mehr unternehmerische Freiheit: Die operativen Einheiten sollen mehr Verantwortung und Entscheidungsspielraum erhalten.

  • Eine neue Fehlerkultur: Fehler sollen nicht um jeden Preis vermieden werden. Entscheidend ist, dass Menschen kalkulierte Risiken eingehen und daraus lernen können.

  • Innovationen schneller in Geschäftserfolg verwandeln: Technologische Spitzenleistungen allein reichen nicht. Bosch muss Innovationen schneller auf den Markt bringen und wirtschaftlich erfolgreich machen.

Im Interview klingt das überzeugend. Doch Führungsprinzipien verändern noch keinen Konzern. Die entscheidende Frage beginnt dort, wo das Interview endet:

  • Was muss Fischer konkret ändern, damit die vier Prinzipien im Arbeitsalltag wirksam werden – statt eine Schlagzeile im Handelsblatt zu bleiben?

  • Und warum sollte der Wandel diesmal gelingen, nachdem frühere agile Transformationsversuche bei Bosch vielerorts hinter ihren Ansprüchen zurückgeblieben sind?

Im Fokus dieser und der kommenden Ausgaben stehen daher die vier von Fischer formulierten Prinzipien.

Ich werde sie einzeln unter die Lupe nehmen und daraus ableiten, welche konkreten Maßnahmen für eine nachhaltige Transformation erforderlich sind.

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„Bosch braucht ein verbessertes Betriebssystem.“

Dr. Christian Fischer (58), Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH.

Schnelles Entscheiden

Tempo ist kein Synonym für Agilität.

Schnellere Beschlüsse lassen sich auch hierarchisch durchsetzen – sie sind dann aber fragil und abhängig von Verfügbarkeit einzelner Entscheider.

Agilität beginnt dort, wo Entscheidungskompetenz dorthin verlagert wird, wo Wissen und Verantwortung liegen.

Der Prüfstein ist die Governance: Wenn selbst Routinefragen – etwa die Genehmigung von Flugreisen – bis in den Vorstand eskalieren, kann das zwar „schnell“ gehen, ist aber weder pragmatisch noch skalierbar.

Professionell wird es, wenn klare Entscheidungsrechte, Schwellenwerte und Leitplanken gelten:

Der Entscheidungsalgorithmus muss eindeutig sein! Nach welchen Kriterien wird heute entschieden – und wie unterscheiden sie sich von der früheren Bosch-Logik, die primär auf die technisch beste Lösung zielte?

Wie werden Entscheidungen herbeigeführt?

Bosch ist größtenteils als klassische Projektorganisation aufgebaut. In der Praxis kämpfen Projektleiter bei Bosch häufig damit, Entscheidungen durch ein bis zwei Review Boards zu bringen.

Wer Bosch kennt, weiß, dass z.B. folgendes Szenario immer wieder vorkommt: Das Management verweist den Projektleiter im Review Board mit der Botschaft zurück, auf dieser Basis sei keine Entscheidung möglich – „bitte mehr Fakten“. Da die Review Boards oft nur im Sechs-Wochen-Takt tagen, ziehen sich selbst einfache Entscheidungen über Wochen.

Erschwerend wirkt eine tief verankerte Ingenieurskultur im Management: Viele Entscheider wollen technische Details bis ins Letzte verstehen – eine Praxis, die lange zur Unternehmensidentität gehörte und von Top-Managern wie Volkmar Denner maßgeblich geprägt wurde.

Die Folge:

  • Langsame Taktung,

  • überfrachtete Entscheidungsunterlagen,

  • Entmündigung der Teams – und

  • ein „aufgeblähter“ Produkt Entstehungsprozess, der Tempo mit Scheingenauigkeit verwechselt.

Entscheidend ist, diesen Mechanismus systemisch zu verändern: klare Mandate, engere Entscheidungszyklen, fokussierte Entscheidungsnotizen statt Detailexegese, und Boards, die bei definierten Schwellenwerten wirklich entscheiden – statt Arbeit zurück in das Projekt bzw.  SE-Team (Simultaneous Engineering)  zu delegieren.

Nach Fischers Anspruch soll mit den zähen Entscheidungsroutinen jetzt offiziell Schluss sein. Was braucht es konkret, damit Tempo zur Systemeigenschaft wird – nicht zur Ausnahme?

Strategische Weichenstellung: Festhalten an klassischer Projektorganisation mit antiquiertem PowerPoint-Reporting – oder der konsequente Übergang zu einer agilen Produktlieferorganisation mit stabilen, verantwortlichen Teams, klarem Product Ownership und durchgängigen Wertströmen. Letzteres schafft dauerhafte Entscheidungskompetenz und Speed dort, wo Wert entsteht.

Dazu gehört Mut zum Weglassen: weniger Gremien, weniger Reports, schlankere Prozesse, begrenzte Parallelvorhaben (WIP-Limits) und moderne, integrierte Toolchains für Transparenz in Echtzeit.

Dies wären die konkreten nächsten Schritte in Richtung verbessertes „Betriebssystem“.

Fortsetzung folgt….

Quellenhinweis:

Ich suche:

  • den Austausch mit Fach- und Führungskräften,

  • die den Mut haben, unternehmerisch zu denken

  • und Transformation wirklich umzusetzen.

💡Wenn Du Teil der Lösung sein willst:

Bis nächste Woche,
Christoph Lohrer | Dein Transformator